LeseProben - StrandGeflüster, die SpurenSuche

__LeseProbe 01; Seite 29__
Die Morgendämmerung wurde abgeschafft und ich bin ab den Kniegelenken gelähmt. So zumindest fühlte ich mich, als ich vor wenigen Augenblicken die Augen öffnete und über die Sanddecke hinweg in ein tiefes Schwarz blickte. Halb Sieben und noch immer stockdunkel. Ich werfe einen vorwurfsvollen Blick in Richtung Mond. Zwar bin ich ihm ziemlich hörig, aber alles gut finden, was so mit ihm zusammen hängt muss ich ja nicht, oder? Meine Knochen sind schwer und ich mache meinem zweiten Vornamen „Verspannt“ alle Ehre. Wenn ich mich ja nur trauen würde ein Feuerchen anzufachen, dann würde ich mich morgens vielleicht nur halb so gerädert fühlen. Nein, hier an dem Strand, diesem weitestgehend unberührten Stückchen Natur verzichte ich lieber darauf. Die Drehung in die Rückenlage, um mich anschließend zum Frühstückskippchen aufzusetzen, scheitert an dem lähmenden Gefühl in beiden Unterschenkeln. Ich bin mir relativ sicher, gestern noch zwei Waden und zwei Füße vor dem Schlafengehen gehabt zu haben. Meinen Kopf wiege ich ein wenig hin und her und lasse ihn kreisen, um die Steife aus den Halswirbeln zu bekommen. Vorsichtig tätige ich einen Schulterblick.
__Leseprobe02, Seite 83/84__
… Stil(l)eben. Stillstand? Ich stehe still. Ich sitze still. Ich atme. Also lebe ich noch. Still. Stundenlanges Gespräch. Ein fremder Mensch. Ein ruhiger Platz. Stille unterbrochen durch Sprechen. Stille durchbrechen. Ein wunderschöner Spätsommertag geht zu Ende. Ein Tag voller Farben streckt sich im Sonnenlicht, dehnt seine Glieder in der Wärme. Meeresspiegel. Der Tag spiegelt sich auf der sanften, glatten Oberfläche des Wassers in strahlendem Himmelblau und Schafwollweiß. Seicht wiegen die leichten Wogen den Himmel. Stillstand. Die Stimme steht still. Die Gedanken stehen still. Stilles Fließen. Die Wolken fließen still am Him-mel entlang. Stille Wellen fließen zum Strand hinein. Still fließen Tränen. Tränenfluss. Salzflut. Salzige Wellen still vereint. Mein ganzes Gedankenkonzept, meine Suchstrategie scheint von einer gigantischen Welle fortgespült worden zu sein. Einerseits genieße ich die Stille, vor allem diese Stille in meinem Kopf. Heute genieße ich einfach nur noch die Flaute. Ich lebe diese Stille. Stil(l)leben. Kein Stillstand! Die Suche nach dir, verschiebe ich auf Morgen. Morgen geht’s weiter, nach Irgendwo. …
__Leseprobe 03 – Seite 119__
Ich habe Angst dieser Herausforderung nicht gewachsen zu sein. Ich habe Angst am Ende dazustehen mit vielen Fragen, auf die es vielleicht gar keine Antwort gibt. Doch keimt auch die Hoffnung auf, dass ich somit wieder näher an das Ziel herankomme. Der Nordweststurm konnte sich bislang immer nur bilden, wenn er eine Plattform zum Ausbreiten erhielt. Ob er sie erhält oder nicht, liegt in meiner Macht, in meinen Gefühlen und in meinem Denken. Los, dann komm doch. Zieh auf Sturm, ergreife Besitz von meinen Gehirnwindungen und wehe mich zur nächsten Fährte. Ist das dein Sinn? Mir die Spuren zu zeigen, die nach Irgendwo weisen? Dann weise mich ein. Irgendwo? …
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